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Meine Pleinair-Ausrüstung

Wenn ihr das erste mal nach Draußen geht um zu Malen, wird euch interessieren, was ihr dafür alles braucht. Ich zeige hier mal mein Equipment, welches ich über die Jahre optimiert habe. Ich habe mich dabei auf alle Eventualitäten eingerichtet – das bedeutet natürlich nicht, dass ihr das alles vor eurem ersten Malausflug besorgen müßt!

Hier ist eine Liste, mit allem, was ich als Mindest-Grundausrüstung empfehle, verlinkt zur genaueren Erklärung:

Für alle, die wissen wollen, was ich so alles mit nach Draußen nehmen, zeige ich hier den Inhalt meines Malerrucksacks – er variiert nur wenig mit den Jahreszeiten (Handschuhe und Insektenschutz habe ich z. B. nie gleichzeitig dabei). Obwohl ich versuche, mich auf das Wichtigste zu beschränken, kommt doch einiges zusammen. Ohne das Wasser wiegt er im Schnitt um die 7 Kilo – darum ist es wichtig, einen guten Rucksack zu finden, dessen Trageriemen nicht einschneiden. Meiner hat zudem seitlich noch Riemen, mit denen ich die Staffelei und den Schirm befestigen kann; so habe ich die Hände frei. Das Solarpanel habe ich selbst ergänzt. Es ist superpraktisch, auch weit weg von der nächsten Steckdose das Handy laden oder das LED-Licht an den Akku anschließen zu können. (Die Seitenangaben in der Liste beziehen sich auf mein Buch, in dem ich auf alles noch viel ausführlicher eingehe).

Malplatten

Es gibt viele Malgründe, auf die ihr malen könnt. Ich persönlich nutze ausschließlich Malplatten oder Mal­pappen. Sie sind nicht teuer, es gibt sie in allen Formaten, und sie lassen sich auch einfach mit dem Cutter zurechtschneiden. Es gibt sie aus Karton oder MDF, mit unterschiedlichen Leinwänden kaschiert (weiß oder in Natur) oder auch unkaschierte ohne Struktur mit glatter Oberfläche. Fast alle ­diese Malplatten sind bereits malfertig vorgrundiert, ihr könnt also sofort darauf losmalen oder sie auch nach Bedarf noch selbst (auch gerne farbig) grundieren. Nehmt euch, vor allem zu Beginn, keine zu großen Formate vor: ihr habt beim Pleinairmalen nur ca. 1-2 Stunden, um eurer Bild fertig zu malen. Ungefähr DinA 4 ist als Obergrenze eine ganz gute Orientierungshilfe.

Staffeleien – ein Überblick

Ich zeige euch hier mal verschiedene Möglichkeiten, wie ihr euer »Pleinair-Atelier« einrichten könnt. Wenn ihr erst einmal keine größeren Anschaffungen machen wollt, reicht es völlig, euch irgendwo einen Sitzplatz zu suchen, ein Klemmbrett mit eurem Bild auf den Schoß zu legen und die Mischpalette in der Hand zu halten. Der Nachteil: Ihr saut euch auf diese ­Weise ziemlich ein, habt nie die Hände frei und seid zudem immer auf einen Sitzplatz angewiesen. Außerdem möchte ich euch sehr empfehlen, im Stehen zu malen: Ihr habt so einen höheren Blickwinkel und seht den Schattenwurf auf dem Boden besser.  Viele Motive eignen sich auch nicht so sehr für die Froschperspektive, die ihr beim Sitzen einnehmt. Vor allem solltet ihr aber im Stehen malen, weil ihr nur so beweglich genug seid, um immer wieder ein paar Schritte zurückzugehen. Erst wenn ihr euer Bild mit Abstand betrachtet, könnt ihr das große Ganze besser beurteilen und mit dem, was ihr vor Euch seht abgleichen.

Um im Stehen zu malen benötigt ihr eine Staffelei: Die gibt es in den unterschiedlichsten Varianten und in allen Preisklassen. Ich zeige euch hier mal eine kleine Auswahl.

  • Ein Klemmbrett für euer Bild, eine Palette, die ihr in der Hand haltet – mehr braucht es am Anfang nicht.
  • Besser jedoch: eine Feldstaffelei aus Alu oder Holz – beachtet beim Kauf, ob ihr die Möglichkeit habt euer Bild auf Augenhöhe zu befestigen.
  • Noch besser: eine professionelle Pochadebox – so müsst ihr die Palette nicht die ganze Zeit in der Hand halten. Leider sind solche Kisten bisher bei keinem deutschen Händler erhältlich und man kann sie nur über England oder USA bestellen. Diese hier ist von Newwaveart und heißt u.go.
  • Das ist wohl nur was für Pleinair-Nerds: do it yourself!
    Das eine ist eine relativ schnell selbstgebastelte Klapp-Palette, die in die Staffelei eingehakt wird, das andere eine recht aufwendig gebaute Pochadebox (Bastelanleitungen findet ihr in meinem Buch und auf meinem Blog).

Mischpalette

Meine Misch-Palette besteht aus einer fertig gekauften weißen Palette. die ich mit einem neutralen mittleren Grau grundiert habe. Das erleichtert es, die Helligkeit des gemischten Farbtons zu beurteilen.  Auf Weiß wirken selbst ganz helle Töne oft zu dunkel, auf einem Holzton verfälscht der warme Farbton die Farbtemperaturen.

Ich habe darauf zusätzlich eine dünne Plexiglasplatte gelegt – so bleibt das Grau immer grau und das Reinigen ist auch viel leichter.

Die (reduzierte) Farbpalette –
welche Farben ihr wirklich braucht

Wenn ihr im Atelier malt habt ihr wahrscheinlich eine Unzahl verschiedener Farbtönen zur Auswahl. Die wollt ihr aber bestimmt nicht alle mit euch herumschleppen, wenn ihr euer Atelier nun nach Draußen verlegt. Es geht also darum ein kluge Auswahl zu treffen. Um damit möglichst alle Farben problemlos mischen zu können, habe ich viel herumprobiert, das Ergbenis zeige ich euch hier:

Das ist ein klassischer Farbkreis. Er zeigt, wie durch das Mischen der drei Primärfarben Gelb, Rot und Blau mit einer (!) ihrer jeweiligen Nachbarfarben die drei Sekundärfarben entstehen: Das sind Grün, Orange und Violett. Die Sekundärfarben bestehen immer aus zwei Farben. Die Farbe, die eine Sekundärfarbe nicht enthält, liegt ihr im Farbkreis immer genau gegenüber. Das sind die Komplementärfarben. Diese würden also die fehlende dritte Farbe hinzumischen – sie würden diese somit komplettieren. Eigentlich könnt ihr mit diesen drei Farben alle Farben mischen. Doch kennt ihr das: Ihr bekommt partout kein schönes Violett hin, obwohl ihr Blau und Rot mischt? Oder das Grün leuchtet einfach nicht richtig?

Wie genau die gemischten Sekundärfarben und später die daraus gemischten Tertiärfarben aussehen, hängt von der Wahl der Primärfarben ab. Bei diesem Farbkreis ist gut zu erkennen, dass die Violetttöne nicht besonders leuchtend geworden sind. Die Grüntöne sind eher gelblich, nur die Orangetöne leuchten so richtig. Das hat mit der Farbtemperatur der hier verwendeten Primärfarben zu tun. Da sie hier alle eher warm (also ein wenig rot­stichig) sind, werden alle Farben dadurch warm ­gemischt, was die warmen Orangetöne leuchten lässt.

Hier seht ihr einen weiteren Farbkreis, dieses Mal mit eher kühlen (blaustichigen) Primär­farben.  Alle daraus gemischten Sekundärfarben sind nun ebenfalls kühler. Das lässt vor allem das Grün und Violett mehr leuchten, das Orange verliert dabei aber an Leuchtkraft. 

Um alle Farben möglichst leuchtend mischen zu können – ganz unabhängig davon, ob es eher warme oder ­kühle Töne sind –, wäre also eine Mischung aus beiden Farbkreisen das Beste. Das Ergebnis davon seht ihr hier:
Mit einem warmen Gelb und einem warmen Rot lassen sich wunderbar leuchtende Orangetöne mischen.
Das kühle Rot gemischt mit dem rotstichigeren warmen Blau ergibt schöne Violetttöne.
Das zitronige Gelb mit dem kühlen Blau gemischt  lässt die Grüntöne schön strahlen.

Meine Auswahl, welche Farben ich mit nach draußen nehme, ergibt sich aus diesen Mischversuchen. Ich verwende die drei Primärfarben in beiden Temperaturvarianten. Dazu verwende ich dann noch zwei unterschiedliche Weißtöne: Zink- und Titanweiß. Beide Weiß haben unterschiedliche Eigenschaften, deswegen sind beide wichtig. Schwarz verwende ich gar nicht, denn pur erzeugt es auf dem Bild tote schwarze Löcher, und beim Mischen tut es auch keiner Farbe so richtig gut. Es macht sie zwar dunkler, aber immer auch schmutzig. Deswegen habe ich statt Schwarz zwei sehr dunkle Farbtöne auf meiner Palette: ­Van-Dyck-Braun und Paynes-Grau. Diese beiden Töne habe ich nach der gleichen Logik wie meine Primärfarben ausgesucht: Das Braun ist ein wärmerer, gelbstichigerer Ton, das Grau ist blaustichig und somit kühler. Dadurch ergänzen sich diese beiden Töne ebenfalls. 

Insgesamt komme ich so auf zehn Tuben, die ich immer dabeihabe. (Ich habe die Farbnanen nöglichst allgemein gegalten, danit sie möglichst suf alle Marken übertragbar sind).

  1. Zinkweiß (halbdeckend)
  2. Titanweiß (deckend)
  3. Zitronen-Gelb (kalt)
  4. Kadmium-Gelb hell, Neapel- oder Indisch-Gelb (warm)
  5. Zinnober-, Kadmium-  oder Krapp-Rot (warm)
  6. Magenta oder Rubinrot (kalt)
  7. Cyan- oder Coelin-Blau (kalt)
  8. Ultramarin- oder Kobalt-Blau (warm)
  9. Van-Dyck-Braun (warm)
  10. Paynes-Grau (kalt)

Mit diesem Wissen im Hinterkopf könnt ihr auch aus euren vielleicht schon vorhandenen Farbtuben eure eigene Farbauswahl treffen. Mischt eure Farben alle mal untereinander: so findet ihr heraus, welche Farben für euch funktionieren, welche nicht. Wenn ihr mit eurer Auswahl unzufrieden seid, tauscht die Farben nur sehr behutsam und nicht alle auf einmal aus. Schon der gleiche Farbton nur von einer anderen Marke verhält sich oft total anders beim Mischen – er ist z. B. stärker pigmentiert oder hat eine andere Deckkraft. Hier werdet ihr bestimmt ein bisschen herumprobieren müssen, bekommt als Belohnung aber eure ganz persönliche, maßgeschneiderte Farbpalette.

Alles, was ich hier über die Farbauswahl geschrieben habe, gilt unabhängig von der Wahl eurer Farbsorte: egal ob ihr mit Öl-, Acryl- oder Gouachefarben* malt. Ich selbst male ausschließlich in Öl: Angefangen habe ich mit Norma-Ölfarben von Schmincke. Mit denen kam ich auf Anhieb super zurecht. Zurzeit benutze ich die tollen Farben von Old Holland (sie sind besonders hoch pigmentiert und dadurch recht teuer). Dafür haben sie die kleinsten, also leichtesten Tuben, die erhältlich sind. Es müssen nicht gleich teure Profifarben sein, aber je besser ihr werdet, umso mehr Freude werdet ihr an guter Qualität haben. Im Handel gibt es oft Starterpacks mit einer festgelegten Auswahl von Farben. Bevor ihr wegen des günstigeren Preises zuschlagt, bedenkt bitte, was ich oben zur Zusammenstellung eurer persönlichen Farbpalette erklärt habe. Nur ein, zwei »unnötige« Farben im Paket, die ihr nicht benutzt, machen den Preisvorteil zunichte.

*Solltet ihr mit Acryl- oder Gouache malen: Beachtet, dass bei sonnigen Wetter die Farben sehr schnell trocknen! Erkundigt euch am besten im Fachhandel nach Möglichkeiten wie Trocknungsverzögerer, Wasserzerstäuber oder Feuchtpaletten.

Malmittel (für Ölfarben)

Dieses Thema ist sehr komplex, ich schreibe dazu ausführlicher in meinem Buch. Hier fasse ich nur kurz meine Auswahl zusammen:

Zum Verdünnen der Farbe und um den Pinsel beim Malen zu reinigen benutze ich zur Zeit das geruchslose Gamsol von Gamblin. Da das leider nicht überall erhätlich ist, kann man alternativ auf Balsam-Terpentinöl ausweichen. Eine interessante Neuentdeckung ist das Spikeoil von Chelsea Classical, das ist hier aber noch schwieriger zu bekommen.
Als weitere Malmittel verwende ich gereinigtes Leinöl.

Malmittel

Pinsel und Spachtel

Das sind die Pinsel, die ich zurzeit regelmäßig verwende. Sie variieren ab und an, grundsätzlich sind es aber nie be­sonders teure Pinsel, eher günstige Hobbypinsel. Anfangs wollte ich keine teuren Pinsel kaufen, da ich meine Pinsel nicht immer sofort nach dem Malen sauber mache – ich hatte Angst, sie zu ruinieren. Ich stellte zudem schnell fest, dass meine günstigen Pinsel alles machen, was sie sollen – und noch dazu erstaunlich lange halten! Sie haben alle Kunsthaarborsten. Meine bevorzugte Form sind Flachpinsel mit langen, weichen Borsten, die oben eine scharfe Kante bilden. So kann ich, wenn ich sie senkrecht ansetze, feine Linien setzen. 

+Update+
Ganz neu entdeckt, hier aber noch nicht im Bild sind die breiten Flachpinsel von Panart Global (Echo Synthetic), die es leider in Deutschland noch nicht zu kaufen gibt. Auch sie haben synthetische Borsten, sind aber um einiges hochwertiger verarbeitet, als meine bisherigen Pinseln (und natürlich teurer). Ich muss also meine Meinung ein wenig revidieren: Diese Pinsel sind toll und machen mir das Malen um einiges leichter, als meine Hobbypinsel. Dieser Effekt ist aber eher subtil – den Qualitätsunterschied hätte ich noch vor ein paar Jahren nicht zu würdigen gewußt, ihn wohl auch noch nicht mal bemerkt. Wie bei den Farben gilt auch hier: je besser ihr werdet, unso mehr werdet ihr eine bessere Qualität zu schätzen wissen.

Zum Schluß: wie transportiere ich mein feuchtes Bild?

Viele schrecken davor zurück, draußen mit Ölfarben zu malen, da die Bilder so langsam trocknen. Eine der mir am häufigsten gestellten Fragen ist: »Kann man solche feuchten Bilder überhaupt transportieren, ohne dass die ganze Oberfläche verschmiert?« Klar, kann man! Das Bild muss natürlich abgedeckt werden, um es heil nach Hause zu bekommen. Der Trick besteht darin, dass sich Abdeckung und frische Farbe nicht berühren. Solche Abstandhalter lassen sich prima mit Reißzwecken basteln. Entweder ihr bestückt eine Pappe damit und legt diese auf das Bild, bevor ihr es in einer Mappe verstaut, oder ihr befestigt die Nadeln direkt auf der Innenseite des Mappendeckels*. Druck sollte dann natürlich nicht auf den Deckel kommen, und er sollte auch nicht ver­rutschen können. Ab und an passiert es, dass im frischen Bild danach doch ganz kleine Pikser zu sehen sind: Die kann ich mit der noch feuchten Ölfarbe aber einfach wieder zuziehen.
*Wenn ihr sowohl den Boden als auch den Deckel der Mappe mit Pins bestückt, könnt ihr zwei Bilder Rücken an Rücken transportieren.

Farbpalette

Wer es noch genauer wissen will: In meinem Pleinairbuch habe ich zu jedem dieser Themen noch viel mehr geschrieben 🙂

Habt ihr Fragen zu meinem Material?

Hinterlasst bitte einen Kommentar – so kann ich für alle sichtbar antworten.

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